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Ambulante Physiotherapie in Mecklenburg-Vorpommern vor dem Kollaps

Die ambulante physiotherapeutische Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern spitzt sich weiter zu. Patientinnen und Patienten warten vielerorts mehrere Wochen, im ländlichen Raum teils bis zu zwei oder drei Monate auf den Beginn einer dringend notwendigen Behandlung. Der VDB Physioverband Mecklenburg-Vorpommern warnt vor einem flächendeckenden Versorgungsproblem – mit gravierenden Folgen für Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und die Wirtschaft des Landes.

„Physiotherapie ist kein Wellnessangebot, sondern eine medizinisch notwendige Leistung. Wenn Behandlungen erst nach Monaten beginnen, verschlechtern sich Heilungsverläufe,
Arbeitsunfähigkeiten verlängern sich und Folgekosten steigen deutlich“, erklärt Stefan Blank, Vorsitzender des VDB Physioverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

Demografischer Druck trifft auf Fachkräftemangel

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den ältesten Bundesländern: Rund 28 Prozent der Bevölkerung sind 65 Jahre oder älter. Gleichzeitig wächst der Bedarf an physiotherapeutischen
Leistungen kontinuierlich. Das zeigt auch die wirtschaftliche Entwicklung im Heilmittelbereich: Der Heilmittel-Bruttoumsatz lag von Januar bis September 2024 in Mecklenburg-Vorpommern
bei 252,15 Millionen Euro – ein Plus von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein die Physiotherapie verzeichnete mit 40,01 Millionen Euro ein Wachstum von 12,9 Prozent. „Der steigende Bedarf trifft auf eine Versorgungsstruktur, die längst an ihre Grenzen gekommen ist“, so Blank. „Viele Praxen arbeiten am Limit, finden aber schlicht kein qualifiziertes Personal mehr.“

Strukturelle Probleme verschärfen die Lage im ländlichen Raum

Besonders betroffen sind ländliche Regionen. Dort führen geringe Praxisdichte, lange Anfahrtswege, unzureichende Vergütung von Hausbesuchen und eine hohe Bürokratiebelastung dazu, dass Praxen wirtschaftlich kaum noch tragfähig arbeiten können oder gar schließen müssen. Qualifizierter Nachwuchs fehlt, auch aufgrund begrenzter Ausbildungsplätze und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse dauert oft Jahre.

Fünf Forderungen an die Politik

Der VDB Physioverband Mecklenburg-Vorpommern fordert ein politisches Sofortprogramm, um die ambulante Versorgung zu sichern:

  1. Ländliche Versorgung gezielt stärken: durch Regionalzuschläge sowie realistische
    Hausbesuchs- und Wegepauschalen
  2. Vergütung reformieren: mit einer jährlichen, verbindlichen Dynamisierung der GKV-Sätze
  3. Bürokratie abbauen: vereinfachte Verordnungen und weniger Retaxationsrisiken
  4. Versorgungsmodelle modernisieren: Einführung des Direktzugangs und Ausbau der Blankoverordnung
  5. Nachwuchs sichern: mehr Ausbildungsplätze und schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse

Warnung vor weißen Flecken

„Ohne sofortiges Gegensteuern drohen in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns echte weiße Flecken in der physiotherapeutischen Versorgung“, warnt Blank. „Das können und dürfen wir uns gesundheitspolitisch nicht leisten.“

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